16 Migrant_innen und Homosexualität

Die SuS beschreiben den Inhalt, die Gestaltung und Botschaft eines Plakats, das sich an junge lesbische Migrant_innen richtet.

Aufträge

Die SuS erarbeiten Fragen an die lesbischen Mädchen auf dem Plakat.
Sie überlegen sich, welchen Einfluss der Migrationshintergrund beim Thema Homosexualität haben könnte.
In einem Rollenspiel werden verschiedene Einstellungen zur Sprache gebracht.
Die SuS verfassen eine Antwort auf einen Leserbrief eines lesbischen Mädchens mit Migrationshintergrund.

Ziele

  • Die SuS setzen sich mit Vorurteilen über Migranten und Migrantinnen sowie Homosexuelle auseinander.
  • Sie erkennen den Einfluss verschiedener Religionsgemeinschaften auf die Einstellungen zur Sexualität.

Varianten

Es dürfte weitgehend Konsens darüber bestehen, dass nicht erkennbar ist, wer Cigdem und Vera sind. Dies ist ein guter Anknüpfungspunkt für Fragen zu Vorurteilen über das Aussehen von Lesben (z.B. alle Lesben trügen kurze Haare und sähen männlich aus).

Bei einem Austausch über die Motivation der Plakatmacher_innen können wiederum mögliche Vorurteile im Gespräch erörtert werden (wie z. B. dass es doch gar keine lesbischen Muslimas gibt).

In vielen Migrationsgemeinschaften (auch muslimischen) ist Homosexualität stark tabuisiert und Vorurteile sind weit verbreitet. Studien nehmen an, dass diese Familien eigene Strukturen haben. Junge Migrantinnen und Migranten akzeptieren im Allgemeinen die Werte und Normen ihrer Eltern, versuchen sie aber im Alltag doch immer wieder zu unterlaufen. Die Familie wird so zum Ort der Auseinandersetzung um Werte, Normen und Lebensstile. Die Sehnsucht nach den Freiheiten, die Schulkamerad_innen und Freund_innen ganz selbstverständlich geniessen, stellt die traditionellen Werte und die Autorität der Eltern auf eine harte Probe. Mädchen wie Jungen sind zwischen dem Wunsch nach einer selbstbestimmten Lebensführung und dem Wunsch, den Ruf der Familie nicht zu gefährden hin und her gerissen. Traditionelle Rollenerwartungen, vermeintlich religiöse Gebote und Angst führen dazu, dass im Alltag über Sexualität nicht gesprochen wird. Viel zu oft gelten Homosexualität und eine auch eine selbstbewusste Darstellung weiblicher Sexualität als eine Schande für die ganze Familie. Ein Outing auf Kosten familiärer Zusammenhänge scheint oft nicht möglich. Die persönliche, ökonomische und soziale Verbundenheit gegenüber der Community ist einfach zu wichtig. Kommt es dann doch zu einem Outing, werden schwule und lesbische Migranten nicht selten durch ihre Familien unter Druck gesetzt. Dazu zählt die Drohung mit Sanktionen, wie z.B. einer Zwangsverheiratung oder dem Ausschluss aus der Familie.

Sind in der Klasse SuS unterschiedlicher kultureller Herkunft kann man ihre Erfahrungen bezüglich des Umgangs mit dem Thema Homosexualität in der jeweiligen Community ins Klassengespräch einbringen.

Quelle
Unterrichtsvorschlag von „Schule gegen Homophobie“ (www.schule-der-vielfalt.de)
LSVD Berlin-Brandenburg e.V. (Hrsg.) (2004): Muslime unter dem Regenbogen. Homosexualität, Migration und Islam. Berlin: Querlverlag.

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